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Welcher Influencer oder Blogger kennt sie nicht, die Startup Mitleidsmasche? Auch in meinem E-Mail Postfach finden sich ständig Anfragen zur Kooperation, leider meist auf Basis der Startup Mitleidsmasche. Alles, was mit Worten wie „wir sind ein junges Startup“ oder „als junges Unternehmen suchen wir“ beginnt, ist es eigentlich nicht wert, es weiterzulesen.

Startup Mitleidsmasche & Barter Deals: Faire Kooperationen?

Die Blumentopf Startup Mitleidsmasche

Als Pflanzenblogger oder auch Plantfluencer auf Instagram ist es leicht, einen Blumentopf zu gewinnen. Aber bedauerlicherweise auch nicht mehr. Die Startup Mitleidsmasche geht zumeist mit dem Angebot für einen Barter Deal einher. Also buchstäblich Blumentopf gegen Leistung, die oftmals schon sehr konkret beschrieben ist.

Alternativ bietet dir das Unternehmen, je nach Themenausrichtung deiner Plattform, ein tolles Poster, ein Beauty-Produkt oder eine Foodbox an. Gefordert wird häufig viel und sehr konkret, doch geboten eher wenig. Bereits in meinem Beitrag „5 KOOPERATIONSFALLEN | WIE DU SIE ALS BLOGGER & INFLUENCER UMGEHST“ zeige ich euch wichtige Punkte für tatsächlich erfolgreiche Kooperationen.

Blumentopf statt Honorar: Die Kooperationsfalle

Durchgeplante Startup Mitleidsmasche

Das Anschreiben für das tolle Kooperationsangebot ist stets gleich aufgebaut und dies ist kein Zufall. Absender ist eine Julia, Leonie oder Sarah, seltener ein Paul oder Robin. In der Regel sind dies Marketingstudenten im Praxissemester oder andere Praktikanten. Diese erhalten mutmaßlich selbst wenig für ihre Tätigkeit, aber dafür umso mehr Druck, eine gehörige Anzahl Influencer herbei zu schaffen. Und zwar solche, die sich auf die für das Unternehmen recht preiswerten Werbekonditionen einlassen. Damit das funktioniert, gibt es eine klare Strategie.

Punkt 1: Die Mitleid Startup Masche

Zunächst stellt sich das Unternehmen vor. Und dies beginnt mit der in der Branche üblichen lässigen Du-Ansprache. Die ersten drei Sätze stellen klar, dass die Firma unglaublich trendige Dinge anbietet. Produkte, die dir, deinem Leben und natürlich deinen Followern einen unfassbaren Mehrwert verschaffen. Sachen, von denen du dich fragst, wie konntest du jemals ohne (das Poster oder den Kaktus) leben? Und selbstverständlich ist die Ware total unique. Daher ist es ja auch ein armes kleines Startup, das versucht, mit seinen Produkten die Welt etwas besser zu machen. Ein Marketing-Budget besitzt das arme kleine Startup natürlich nicht, dafür aber die perfekte Mitleidsmasche. Oftmals gekoppelt mit Greenwashing, also so, dass all die neuen Produkte angeblich extrem nachhaltig sind. Du bist erwählt, ihnen dabei zu helfen, ihre Botschaft in die Welt zu tragen und diese damit zu einem besseren Ort zu machen.

Faktencheck Mitleids Startup Masche

Einzigartiges Angebot: Meist handelt es sich um so originelle Dinge wie Poster, CBD-Produkte oder die geniale Kombination aus Pflanze und Übertopf. Unter Umständen sind dies wirklich schöne Dinge, aber in der Regel nichts wirklich Innovatives. Meist sind es Sachen, die aber für dich  und deine Follower auch keine echte Bereicherung bieten.

Mehrwert für einen selbst & die Follower? Es sind aber auch Sachen, deren Mehrwert für den eigenen Blog oder die Social Media Plattform doch eher überschaubar ist. Warum also umsonst werben?

Umsonst arbeiten für eine bessere Welt? Kooperierst du mit einem Unternehmen, stellst du dessen Produkte oder Dienstleistungen vor. Das heißt, du wirbst für die Firma. Gerne bewerbe ich umsonst eine Spendenaktion für die Ukraine oder hungernde Kinder in Schwellenländern. Aber das 112. Startup mit Wanddeko macht die Welt nicht zu einem besseren Ort. Ein Startup ist ein Unternehmen. Dieses möchte werben, also beauftragt es jemanden. Und dieser jemand gehört bezahlt. Ob Agentur, Blogger oder Influencer.

Punkt 2: Die Lobhudelei Startup Masche

Damit du nicht gleich aussteigst, schmiert dir aber das Startup mit seiner Mitleidsmasche auch noch gehörig Honig ums Maul. In der Regel sind dies Sätze wie: „Wir finden deinen Content so toll und er passt genau zu unseren Produkten […]“. Wobei auch dieses Argument oftmals fragwürdig ist, denn ich bekomme auch Kooperationen für Autoreifen oder Eiskratzer auf diese Weise angeboten. Ich besitze nicht einmal ein Fahrzeug und blogge über Nachhaltigkeit. Auf jeden Fall suggeriert dir das Startup, dass du erwählt wurdest, weil du so wunderbar und passend bist. Wer möchte sich dieses Tinder-Match schon entgehen lassen? Wenn du jetzt auf Löschen drückst, geht dir eine wunderbare Zusammenarbeit verloren. Ihr passt doch so gut und sie wollen dich, genau dich. Dich und ebenso die 5000 anderen Accounts, die die Praktikantin für diesen Rundumschlag zur Generierung kostenloser Werbung herausgesucht hat.

Faktencheck der Lobhudelei Startup Masche

In der Regel suchen preiswerte Aushilfen oder kostenfreie Praktikant*innen nach Briefing Unmengen möglicher Kooperationspartner im Akkord heraus. Das geschieht durch Google-Check nach Keywords oder Suche nach Instagram-Accounts eines bestimmten Genres mit einer gewissen Followerzahl. Gehe nicht davon aus, dass bis dato dein Ansprechpartner deinen Content tatsächlich studiert hat. Die Lobhudelei Masche dient nur dazu, dich billig einzukaufen. Wer sich gebauchpinselt fühlt, geht viel eher auf unrentable Anfragen ein. Dies ist nicht weiter als ein billiger Psychotrick.

Blumentopf statt Honorar: Die Kooperationsfalle

Punkt 3: Der unwiderstehliche Mehrwert 

Wie widerstehe ich nur, wenn mir solch großartige Mehrwerte winken? Rabattgutscheine für meine Follower und Gewinnspiele bieten dir die Unternehmen. Leider meinen sie dies als Ersatz für eine Bezahlung. Was bringt mir das? Gerade Anfänger glauben oftmals noch, dass Rabattcodes und Gewinne viele neue treue Follower generieren. Dem ist nicht so. 

Die Gewinnspiel-Falle

Verlosungen locken Gewinnspielhopper an, die dir genauso lange folgen, bis die Aktion beendet ist. Gerade bei kleinen Unternehmen, die sich der Startup Mitleidsmasche bedienen, ist Vorsicht geboten. Gewinnspiele führen hier häufig zu mehr Ärger als Freude. Dir bleibt die Aufgabe, auf eigene Kosten Gewinne zu verschicken. Oder aber der Kooperationspartner versendet nicht zuverlässig an deine Gewinner. Für dein Ansehen ist so etwas dann extrem schädlich. Du enttäuschst deine Follower, weil sie die Ware nicht erhalten oder möglicherweise nur einen minderwertigen Ersatz. Dies ist natürlich nicht immer der Fall, kommt aber vor. Gewinnspiele biete ich nur noch mit zuverlässigen Partnern und bei honorierten Kooperationen an.

Der Gutschein-Trick

Gutscheine machen deinen Account heutzutage nicht unbedingt beliebter, vor allem, wenn du sie recht ungehemmt streust. Kunden und Follower sind nicht dumm. Sie wissen, dass die vermeintlichen Rabatte oftmals im Preis bereits einkalkuliert sind. 10 % Vergünstigung hier und 20 % da machen aus deinem Account einen Ramschladen. Bei seriösen Kooperationen mit etablierten Unternehmen gebe ich gerne eine Vergünstigung an meine Leser weiter. Hier handelt es sich dann um einen echten Sonderpreis auf ein festes Angebot. Gutscheine statt Honorar sind sowieso irrelevant, denn ernährt es mich, wenn mein Leser Prozente erhält?

Faktencheck der Mehrwert Masche

Nur in seltenen Fällen bieten Gutscheine und Rabatte einen echten Vorteil für dich und deine Kanäle. Hochwertiger Content mit einer spannenden Story und sehr guten Bildern generiert Mehrwert. Es hilft jedoch nicht, deinen Lesern einen Gutschein nach dem anderen um die Ohren zu hauen. Es verhält sich eher umgekehrt: Dies schadet deiner Plattform und lässt sie wie ein billiges Sonderangebotsportal wirken.

Punkt 4: Ware statt Honorar mit der Barter Deal Startup Mitleidsmasche

Ein Pflanzenset mit einem Verkaufspreis von 48 € statt einem Honorar? Mit im Anschreiben ist oftmals zudem gleich ein ganzer Briefing- und Anforderungskatalog. Verlangt wird, was irgendwie geht. Instagram Feed-Beitrag und Storys, ein Blogpost und dazu breites Social Media Sharing. 

Der Wert der Arbeit

Meine Erfahrung, auch die als Freelancer zeigt: Je weniger ein Auftraggeber zahlt, desto fordernder ist er meist. Dies ist so, weil Menschen, die für die Leistung nicht entsprechend zahlen, diese nicht zu schätzen wissen. Deine Arbeit hat für sie keinen Wert. Also verlangen sie immer mehr. Auf einmal fordern sie weitere Wiederholungsposts, weil der tolle Gutschein nicht die erhofften Umsätze einfährt. Sie fragen detaillierte Insights ab. Und dazu erwarten sie aufwendige Statistiken, von denen zuvor nie die Rede war.

Ob bei Textaufträgen der Blog-Kooperationen: Je besser die Konditionen sind, desto reibungsloser verläuft in der Regel der Auftrag. Dies zeigt meine Erfahrung. Wer gut für meine Leistung zahlt, tut dies, weil er sie schätzt. Dieser Kunde ist zufrieden mit dem, was er gebucht hat. Unternehmen mit der Startup Mitleidsmasche schätzen deine Leistung nicht. Sie versuchen nur so viel wie möglich kostenlos zu erhalten. 

Faktencheck: Einkommensfalle Barter Deal 

Ein Barter Deal lohnt sich unter Umständen, wenn die Gegenleistung in Ware wirklich hochwertig ist. Ob Designerhandtasche oder Markenmöbel. Hat die Ware einen Verkaufswert, der dein angenommenes Honorar übersteigt, ist dies möglicherweise lohnenswert. Doch hier gilt zu beachten, dass auch ein Deal gegen Ware steuerlich relevant ist. Sichere dich vertraglich ab. Halte fest, dass deine Leistung dem Warenwert entspricht, sodass du am Ende nicht noch in Form von Steuern draufzahlst.

Ein Blogpost gegen ein Designerbett ist sicherlich eine Überlegung wert, eine Social Media Kampagne gegen einen Kaktus jedoch nicht.

Startup Kooperationen

Punkt 5: Zukunftsversprechen als Mitleidsmasche

Auch dies erlebe ich immer wieder. Lehne ich den Beitrag gegen Blumentopf ab, erfolgt Phase 2 der Bedrängung. Das Unternehmen rät, mir dies doch noch einmal zu überlegen. Sie ködern mit der Aussicht auf eine langfristige Zusammenarbeit. Eines Tages seien sie sicher in der Lage und bereit, mir auch etwas für weitere Aufträge zu bezahlen.

Faktencheck Zukunftsversprechen

Hast du dich erst einmal billig oder umsonst verkauft, wirst du niemals für Folgeaufträge ein angemessenes Honorar bekommen. Warum nicht? Weil sie es bisher ja auch umsonst bekommen haben und daher deine Leistung gar nicht schätzen.

Marketingbudget und Mitleidsmasche

Zusammenfassen bleibt zu sagen: Wer ein Unternehmen gründet, ohne ein Marketingbudget zu besitzen, hat etwas falsch gemacht. Keine Firma hat das Recht zu erwarten, Werbung umsonst zu erhalten. Es reicht nicht, mit der Startup Mitleidsmasche hausieren zu gehen. Warum gehen Firmen davon aus, Leistungen kostenlos zu bekommen? Sie möchten ihre Produkte auch verkaufen und nicht verschenken. Gehe ich eine Kooperation ein, werbe ich für eine Firma und ihre Produkte oder Dienstleistungen. Auch dies stellt eine Leistung dar, die ein Honorar verdient. 

Faire Kooperationen eingehen

Barter Deals für Einsteiger

Eine kleine Ausnahme sind sicher Barter Deals für absolute Newbies. Dein Instagram Account ist neu und du hast erst wenige Follower, vielleicht noch keine Tausend? Hier sind kleine Bartergeschäfte, wie ein Pflanzenset oder eine Pflegeserie ein guter Einstieg. Dies ist auch eine kleine Übung für künftige Kooperationen. Aber lass dich nicht ausnutzen. Biete nicht zu viel dafür. Hier reicht ein Feedbeitrag oder eine Story oder vielleicht noch beides.

Weil du es wert bist …

Vergiss nie: Ein Unternehmen, das mit dir arbeiten möchte, tut dies, weil es sich davon etwas verspricht. Du bietest der Firma offenbar etwas, was diese möchte und wovon sie profitiert. Du bist nicht der Sponsor von Betrieben mit Startup Mitleidsmasche. Umgekehrt sind diese sicherlich keine Heilsarmee zur Förderung kleiner Influencer. Fragt dich ein Unternehmen nach einer Zusammenarbeit, verspricht es sich davon einen Profit. Und dies bedeutet: Dein Kanal hat einen Wert!

Wie sind eure Erfahrungen mit Kooperationen? Gibt es häufig Anfragen, nur gegen Ware zu promoten? 

Mehr spannende und nützliche Informationen findest du in meiner Kategorie BLOGGERTIPPS.

Ich freue mich auf eure Kommentare!

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CHRIS

 

 

 

 

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4 comments

  1. Die Anfragen sind teilweise echt haarsträubend! Was ich auch schon alles bekommen habe…

    1. Oh ja, man könnte ein Buch darüber schreiben 😉
      LG
      Chris

  2. Hallo und danke für den Beitrag!

    Solche Anfragen trudeln auch heute noch ab und zu in unser Postfach. Das zeigt, dass diese „Masche“ wohl weiterhin funktioniert – irgendein „Dummer“ wird schon darauf anspringen. Schäden nehmen am Ende die Blogger, denen ihre Arbeit etwas wert ist. Denn solange es Blogger gibt, die nicht anständig vergütet werden wollen, werden diese „Unternehmen“ und SEO-Agenturen damit weitermachen. Es funktioniert schließlich.

    Wir ignorieren solche unwiderstehlichen „Angebote“ und löschen sie.

    Nur wenn ich große Lust und Langeweile habe, antworte ich auf die Mails sogar mit einer begründeten Ablehnung. Ob das auf fruchtbaren Boden trifft, bezweifle ich aber.

    Liebe Grüße, Patrick

    1. Hallo Patrick, ja manchmal überkommt es mich auch und ich antworte darauf. Ja, es ist leider so, dass es weiter so geht, solange genug buchstäblich für einen Blumentopf oder Cremetiegel werben. Vielleicht trägt so ein Beitrag dazu bei, dass es ein oder zwei dies überdenken.

      LG
      Chris

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