DIE FÜNFTE JAHRESZEIT IST VORBEI

In Mainz dreht sich einige Wochen vor Aschermittwoch das Rad der Welt anders. Es ist die fünfte Jahreszeit, Karneval, in Mainz Fastnacht oder auch Fassenacht genannt. Stets am 11.11. des Vorjahres ausgerufen, erlebt die närrische Zeit ihren Höhepunkt im Januar und Februar. Für Menschen aus wenig karnevalistisch orientierten Regionen ist das sicher schwer nachvollziehbar.

The Day After | Aschermittwoch | Der Tag nach Fastnacht

Ich bin ein “Meenzer Mädsche”. Der Vater erst Gardist, dann lange erfolgreicher Büttenredner und im Kommitee des MCV (Mainzer Carneval Verein), da bekommt man das Narrentum in die Wiege gelegt. Ich freue mich in jedem Jahr wie ein kleines Kind auf den Ausnahmezustand. Einfach einmal feiern, tanzen bis die Füße brennen, auf der Straße laut “Helau” schreien, in seltsamer Aufmachung durch die Stadt ziehen. Es wird viel getrunken und noch mehr getanzt und nach ein paar Tagen ist der Aschermittwoch da.

Was bleibt, ist ein Kostüm, das gereinigt und weggepackt wird, ein paar abgetanzte Absätze, in diesem Jahr zudem ein kuscheliger Snoopy in passendem Chanel-Schwarz-Weiß, den mein TP mir auf dem Jahrmarkt erkämpft hat und das Gefühl, dass es einmal mehr vorbei ist, die närrische Zeit. Der Alltag hat mich wieder.

The Day After | Aschermittwoch | Der Tag nach Fastnacht

Heute ist dieser Tag, der Tag, der auch wie ein zweites Neujahr ist. Das allmähliche Ende der kalten Jahreszeit zeichnet sich ab – auch, wenn wir in diesem Jahr mit Fastnacht und Ostern sehr früh liegen. Zufälligerweise fällt diese Zeit in diesem Jahr mit dem chinesischen Neujahr zusammen.

EIN ROSENMONTAG OHNE ZUG

Vielleicht kann der eine oder andere nachvollziehen, was es für einen “echten Mainzer” bedeutet, wenn es keinen Rosenmontagszug gibt. Die Nachrichtwar wie ein schlag ins Gesicht. Der Höhepunkt des Spektakels fällt aus. Was muss dies nur erst für alle bedeutet haben, die ein Jahr fleißig in Garden und Musikzügen geübt haben, die ihre Kinder in Uniformen eingekleidet oder die sich sehr für die Umsetzung engagiert haben?

Wie traurig muss es für all diese sein, dachte ich, da ich selbst es schon gar nicht fassen konnte. Absage des Sturms wegen möglicher Sturmböen. Humor ist wenn man trotzdem lacht.

VOLLKASKOGESELLSCHAFT ODER REINE VERNUNFT?

Die Meinungen zur Absage sind sehr unterschiedlich. Sicher, hinterher ist man sowieso immer schlauer und soooo schlimm wurde der Sturm dann doch nicht. Nur, konnte man das wissen? Oder gehen wir heute bei allen zu sehr auf Nummer sicher, befragen Wetterfachleute und -stationen wie Orakel? Hat man nicht früher auch bei jeder Temperatur, in Eis und Schnee, mit zugefrorenen Musikinstrumenten einfach weitergefeiert? Alle sprechen davon, dass man Sicherheit garantieren muss – aber wie viel Sicherheit kann man übrhaupt garantieren, wenn Hundertausende die Stadt stürmen, fast alle mehr trinken als das Gesundheitsamt noch als unbedenklich bescheinigen würde?

Sichern wir uns zu sehr ab? Wollen wir für alles Garantien? Ich habe darüber viel nachgedacht und mich nochmals über die Situation schlau gemacht. Denn es kam mir, angesichts der sichtbaren Wetterlage, auch ein wenig wie Panikmache vor. Doch es hätte wohl tatsächlich auch ganz anders umschlagen können. Eine Wetterlage, bei der, wenn auch die Wahrshceinlichkeit nicht besonders hoch ist, so schlimme Böen enstehen könne, dass sie tatsächlich auch Autos und Dixie-Häuschen durch die Luft fliegen lassen.

Es ist nicht passiert – zum Glück. Aber wäre es, wer hätte damit leben wollen? Wäre das nicht ein Brandmal auf der fröhlichen Fastnacht für immer gewesen, wenn Leutte schwer verletzt oder gar zu Tode gekommen wären?

VERLUSTREICHE ENTSCHEIDUNG

Schade war es für uns, die Menschen, die einfach feiern wollten. Viel schlimmer für die, die von solchen Ereignissen leben müssen. Kleine Schausteller und Würstchenbudenbesitzer, die Kosten, aber kaum Einnahmen hatten. Das sind die Menschen, die es am meisten getroffen hat. Die Gastwirte haben wir Mainzer und auch viele von außerhalb unterstützt, indem wir genauso feiern gegangen sind, wie wir es immer nach dem Zug getan haben. Wir hatten Spaß und haben für ein paar Stunden fast vergessen, dass es keinen Zug gegeben hatten. Die Gastwirte haben ihren Schnitt gemacht.

ROSENMONTAG IM MAI?

Nun ist die Rede davon, den Zug nachzuholen. In der ersten Trauer um das Ausfallen, habe ich mich auch auf einen Nachholtermin gefreut. Wenn er kommt, werde ich auch dabei sein, wenn es irgend geht. Aber, eigentlich denke ich, man kann den Rosenmontag nicht verschieben. Aus dem Nichts in Wärme und Sonnenschein (so Gott will) kräftig Fassenacht feiern? Das kann sicher ein Spaß sein, so ein bunter Umzug. Ein Rosenmontag kann und wird es nicht sein. Es fehlt das drumherum. Die Sitzungen und Fastnachtsveranstaltungen im Vorfeld, die Bälle, die Kostüme in den Abteilungen der Kaufhäuser, die geschmückte Stadt. Ja, es fehlt auch kaltes Wetter, Frieren im kleinen Rock und Hände wieder warm reiben gehört doch irgendwie auch dazu.

Dennoch haben natürlich alle, die sich so großartig engagieren, ihre Bühne verdient. Alle die, die jetzt buchstäblich “nicht zum Zuge kamen”. So oder so…. ich freue mich auf den nächsten Rosenmontag – und nun sicher noch ein bisschen mehr.

KOMM & SIEH

Wer verstehen möchte, wovon ich rede, muss einmal an Rosenmontag nach Mainz kommen und in die Menge eintauchen, sich treiben lassen, sich eine bunte Nase aufsetzen und tapfer “Helau” schreien bis er heiser ist.

BYE BYE FASSENACHT | HELLO FASTENZEIT

Für dieses Jahr ist Fastnacht vorbei, das Kostüm wird eingemottet und die Dekoration abgehängt. Die Fastenzeit hat begonnen. Auch dies ist für mich immer eine sehr besondere Zeit, nein, ich bin nicht sonderlich religiös, aber dennoch lebe ich in den kommenden Wochen bis Ostern ein wenig anders. Aber darüber erzähle ich in den nächsten Tagen mehr.

The Day After | Aschermittwoch | Der Tag nach Fastnacht

Der Zug ist ausgefallen und wir haben es verkraftet, irgendwie. Nun geht alles wieder seinen gewohnten Gang, in zwei Tagen wird ind er Stadt von dem närrischen Treiben nichts mehr zu sehen sein. Vielleicht noch eine vermatsche Luftschlange im Rinnstein, der Rest ist vergangen.

Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr Fasching, Fastnacht oder Karneval gefeiert? Wart ihr auch betroffen von den Absagen zahlreicher Züge oder dem schlechten Wetter, dort, wo sie dennoch stattgefunden haben?

Wie seht ihr die zahlreichen Absagen? Denkt ihr, dass das doch vorschnell und überängstlich war oder doch vernünftig?

Ich freue mich auf eure Kommentare!

 

Euer stylepeacock

Chris

 

8 comments

  1. Hallo Chris,

    ich bin en eschte Düsseldörper Mädsche und war geknickt, dass auch unser Zug ausgefallen ist. :-/ Wir sind die letzten Jahre immer mitgefahren und wollten dieses Jahr mal aussetzen.. Wenn man die ganze Zugstrecke kennt, weiß man, dass es richtig war.
    Bei uns gibt es mittlerweile einen neuen Termin, den 13. März

    LG Heike

    1. Liebe Heike, dann ist es bei euch ja noch zu vielleicht winterlichen Bedingungen. Ich bin gespannt, was bei uns passiert. Waren die Düsseldorfer dennoch auch in den Kneipen … feiern oder war es dann eher still?

      LG
      Chris

      1. Es war rappelrappel voll!! DIESE Wirte haben ein ordentliches Plus gemacht. Schon alleine dadurch, weil sich ja 2-3 Stunden früher die Läden füllten.

        Aber die kleinen Stände des Zugweges hatten logischerweise nur Einbußen, investiert und nichts verdient. 🙁 Das tut mir richtig leid..

        1. Dann war es genauso wie bei uns, innen rappelvoll und außen die haben in die Röhre geschaut!

      2. Ich meine, ich hätte gelesen, dass er bei Euch nicht nachgeholt wird!?
        Wir hatten ja schonmal einen nachgeholt, 1990. Und ganz ehrlich? Der Tag hatte nicht den Flair wie an Rosenmontag

        LG Heike

        1. Ja, das fürchte ich auch 🙁 Mei letzter Kenntnisstand war, dass, sie ev. etwas machen wollen, aber erst im Mai. Es ist eben nicht das gleiche 🙁
          LG
          Chris

  2. Hallo Chris,
    Sind die Menschen heutzutage nicht alle sehr viel hektischer, manchmal auch ein bisschen hysterisch oder gar gleichgültig…. Wäre früher etwas passiert bei so einem Umzug, bin ich sicher, daß sofort 100 hingerannt wären um zu helfen. Da es jedoch in letzter Zeit genügend Beispiele gab, wo sofort eine Panik ausgebrochen ist, denke ich, dass es doch eher besser war, den Zug abzusagen. So traurig es für die Narren und Narraläsinnen auch sein mag.
    Das ein nachgeholter Umzug für das närrische Volk nicht mehr dasselbe sein wird, kann sogar ich als norddeutscher Fischkopp nachvollziehen. Aber für all die Kinder, die ja auch daran beteiligt sind, ist es sicher ein kleiner Trost.
    Liebe Grüße
    Karin

  3. Huhu Chris,

    bin kein eingefleischter Fastnachter. Dennoch kann frau sich ja in einer Hochburg aus den tollen Tagen nicht raus nehmen und Manches macht mir auch Spaß.Mir taten die Absagen sehr leid, für die Betroffenen, die ihr Herzblut in die Gestaltung des Faschingsumzuges gegeben haben. Für mich persönlich kam die Entscheidung auch fast zu schnell. Ich mag nicht spekulieren.

    Na ja, nächste Saison kommt bestimmt. 🙂
    LG Indophil

Schreibe einen Kommentar