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SELBSTÄNDIG ARBEITEN & GUT VERSICHERT?

Habt ihr schon einmal von der KSK, der Künstlersozialkasse, gehört? Heute geht es darum, wie man sich als selbständiger Editor oder Blogger am besten versichert und was es mit der “Künstlersozialkasse” KSK auf sich hat. Im ersten Teil meines Exkurses in die Welt der einer selbständigen Bloggerexistenz ging es darum, ob man als Blogger, ein Gewerbe anmelden muss. Hier möchte ich nun darauf eingehen, wie ich mich versichere, wenn ich hauptberuflich selbständig arbeite. Zu einigen steuerlichen Aspekten werde ich in einem dritten Teil eingehen.

KSK | Künstlersozialkasse | wie versichert man sich als Selbständiger & Kreativer?
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Ich kann keine rechtsverbindlichen Auskünfte geben, sondern berichte aus persönlicher Erfahrung nach meinem Kenntnisstand.

VERSICHERUNGEN FÜR SELBSTÄNDIGE

Welche Versicherungen braucht man als Selbständiger  überhaupt? Was ist Pflicht und was empfehlenswert? Nicht nur wichtig, sondern in Deutschland Pflicht ist die Krankenversicherung, die in der Regel auch den größten Anteil an Geld verschlingt. Dazu kommen noch Renten- & Pflegeversicherung.

KRANKENVERSICHERUNG ALS SELBSTÄNDIGER

Als Angestellter ist man bis zu einem Einkommen von derzeit 4800€/Monat automatisch pflichtversichert. Liegt man über diesem Einkommen, kann man zwischen der privaten und gesetzlichen Krankenkasse wählen. Beides hat Vor- und Nachteile. Als Selbständiger hat man in der Regel unabhängig vom Einkommen die Wahl, ob man sich privat oder gesetzlich versichern möchte.

Aber Ausnahmen bestätigen die Regel. In dem Augenblick, in dem ich als Künstler oder Publizist Mitglied der KÜNSTLERSOZIALKASSE bin, kurz KSK, gelten für mich die Bestimmungen der Einkommensgrenzen wie bei Angestellten.

PRIVATE KRANKENVERSICHERUNG

Der Beitrag der privaten Krankenversicherung ist nicht vom Einkommen, sondern vom gesundheitlichen Zustand bei Aufnahme und Faktoren wie Alter, Vorerkrankungen und auch vom Geschlecht abhängig. Hinzu kommt, dass man verschiedene Leistungen buchen kann, was sich auf den Beitragssatz auswirkt. So z.B. ob man grundsätzlich Chefarzt Behandlung wünscht, Zahnersatz komplett abgedeckt haben möchte etc..

Grundsätzlich kann man von mehr und leider teilweise auch besseren Leistungen ausgehen, wenn man privat versichert ist, auch wenn dies häufig von Politik, Ärzten und gesetzlichen Krankenkassen abgestritten wird. Auch Facharztermine erhält man als Privatpatient schneller und muss auch heutzutage häufig weniger lang im Wartezimmer sitzen. Viele Behandlungen, Therapien und Medikamente, die für gesetzliche Versicherte als sogenannte IGEL-Leitungen gelten und privat bezahlt werden müssen, sind bei der Privatversicherung bereits abgedeckt.

Ist man jung und gesund ist es häufig so, dass man für diese besseren Leistungen sogar weniger Beitrag bezahlt als in einer gesetzlichen Krankenkasse. Dennoch sollte eine Privatversicherung gut überlegt sein.

KSK versichtert | Künstlersozialkasse & Blogger

VOR- & NACHTEILE DER PRIVATEN KRANKENVERSICHERUNG

 Vorteile PKV
– bei frühem Einstieg & guter Gesundheit sehr günstig
– mehr Kostenübernahmen für Therapien, Medikamente, Hilfsmittel (Brillen, Einlagen, Zahnersatz…), Naturheilverfahren, alternative Methoden
– schnellere Termine, weniger Wartezeit & Arztwahl
– nicht einkommensabhängig (kann auch zum Nachteil werden)
– privatärztlicher Notdienst mit Hausbesuchen
 Nachteile PKV
– später Einstieg und gesundheitliche Probleme können den Beitrag beim Einstieg teuer machen
– jedes Familienmitglied, auch Kinder und solche ohne eigenes Einkommen kosten Beitrag
– spätere Leistungserweiterungen erfolgen auf Berechnung des aktuellen Alters & Gesundheitszustandes
– Kasse kann einem u.U. kündigen, wenn man fahrlässig handelt oder falsche Angaben gemacht hat oder Risikozuschlag erheben
– Wiederaufnahme in GKV nur sehr selten möglich
– Leistungen müssen vorgelegt werden und werden erst nachträglich erstattet

 

Es kann also sein, dass man sich in jungen Jahren zu einem günstigen Satz privat versichert, aber dann eine große Familie gründet. Muss man z.B. einen Partner mitversichern, der gesundheitliche Probleme hat oder nicht mehr ganz jung ist – oder eine größere Anzahl Kinder, kann das so teuer werden, dass man sich die Versicherung kaum mehr leisten kann. Auch wenn das Einkommen ausbleibt oder stark schwankt, ist immer der gleiche Satz fällig, ob man ihn sich leisten kann oder nicht.

GESETZLICHE KRANKENVERSICHERUNG

Grundsätzlich muss man sagen, wie Kassenpatienten in Deutschland jammern auf hohem Niveau. Wir haben eine Grundversorgung, wie man sie in kaum einem anderen Land noch erhält.

Ich bin selbst Kassenpatient und ärgere mich über so manches, wie monatelanges Warten auf einen Facharzttermin, selbst beim akuten Bandscheibenvorfall, zu wenig Übernahme von Hilfsmitteln. So erhalte ich keinerlei Zuschüsse auf meine wahnsinnig teuren Sehhilfsmittel und bekomme auch keine Augen-OP finanziert, obgleich ich schon lange von auch nur 80% Sehfähigkeit träumen kann.

Die gesetzliche Krankenversicherung versteht sich als SOLIDARGEMEINSCHAFT, ein Gedenke, der mir persönlich sympathischer ist. Beiträge sind nicht abhängig von Alter oder gesundheitlichem Zustand – sondern vom Einkommen, wobei es einen Höchstsatz gibt. Derzeit liegt die Bemessungsgrenze bei 4350€/Monat, also man zahlt, prozentual (rund 15% + Pflegeversicherung). Das heißt, mehr als den Satz, den man bei diesem Einkommen berappen muss, zahlt man auch nicht, wenn man erheblich mehr verdient.

GARANTIERT EINKOMMENSABHÄNGIG?

Allerdings stimmt das mit der Einkommensabhängigkeit auch nach unten eben leider nur teilweise. Denn die Krankenversicherung geht stets davon aus, dass man ein gewisses Mindesteinkommen erzielt, auch als Selbständiger und auch bereits am Anfang, wenn vielleicht erst einmal kaum Einnahmen vorhanden sind.

Leider ist es nicht so, dass man sagen kann, mein Blog hat in diesem Monat nur 300€ abgeworfen, also zahle ich nur ein paar Euro Versicherung. Dieses “einem unterstellte Einkommen” liegt bei 2.231,25 € für die man Beiträge berappen muss. Damit liegt man mit ´Krankenversicherung und Pflegeversicherung im Monat bei rund 400€. Dies muss man erst einmal verdienen.

Es gibt eine sogenannte Härtefallregelung z.B. für Existenzgründer, die eine Gründungszuschuss erhalte, für vormals Arbeitslose. Hier wird von einem Einkommen von mindestens 1.487,50 € ausgegangen, womit man dann bei einem monatlichen Beitrag von rund 270€ liegt.

Wer als Selbständiger auf Krankentagegeld verzichtet, erhält einen etwas reduzierten Beitragssatz, erhält aber eben bei Verdienstausfall nichts. Das kann auch schnell in einer echten finanziellen Misere enden, setzt einen z.B. ei Unfall außer Gefecht.

VOR- & NACHTEILE DER GESETZLICHEN KRANKENVERSICHERUNG

 

 Vorteile GKV
– Solidargemeinschaft, Beitragssatz unabhängig von Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand
– unkündbar von Seiten der Versicherung, wenn man z.B. sehr schwer krank wird, einen Unfall fahrlässig verursacht…
– Familienmitglieder ohne eigenes Einkommen sind kostenlos mitversichert
– Behandlungen im Rahmen der gesetzlichen Leistungen sind bis auf geringe Zuzahlung wie Rezeptgebühren kostenfrei, nichts muss vorgelegt werden
 Nachteile GKV
– Grundversorgung, aber einige Therapien wie auch Naturheilverfahren, Heilpraktiker etc werden nicht übernommen
– Medikamente nur aus einer vorgegebenen Liste
– keine Arztwahl im Krankenhaus
– lange Wartezeiten auf Facharzttermine
– kaum mehr Hausbesuche, auch nicht bei hohem Fieber o.ä., am Wochenende etc (muss Notdienst oder Krankenhaus aufgesucht werden)
– keine Übernahme/Zuschüsse bei Sehhilfsmitteln
– nur beschränkte Übernahme anderer Hilfsmittel, oft nur Pauschalbetrag für Grundversorgung (z.B. besseres, kleines Hörgerät nur mit hohem Aufpreis)

PFLEGEVERSICHERUNG FÜR SELBSTÄNDIGE?

Die Pflegeversicherung ist für alle Krankenversicherten Pflicht und wird in der Regel beim gleichen Versicherungsträger, ob gesetzlich oder privat, mitversichert. Man sollte sich darüber klar sein, dass die Pflegeversicherung nur einen Teil der Pflegekosten im Pflegefall abdeckt, weitere Vorsorge ist nötig, wenn man nicht möchte, dass Kinder und  andere Verwandte das mitfinanzieren müssen. Leider bleibt einem als kleiner Selbständiger oft nicht viel Spielraum zu groß angelegten Vorsorge- & Sparmaßnahmen.

  • Beitragssatz: 2,55%
  • Beitragszuschlag für Kinderlose: 0,25%

Bei gesetzlich versicherten Angestelltem wir der Beitrag wie auch die Krankenversicherung zur Hälfte von Arbeitgeber und zur anderen vom Arbeitnehmer getragen

Bloggen hauptberuflich KSK & Rentenversicherung

RENTENVERSICHERUNG ALS FREIBERUFLER

Als Angestellter ist man automatisch rentenversichert, als Freiberufler/ Selbständiger muss man selbst vorsorgen und das kann ins Geld gehen. Wer nicht viel Rente zu erwarten hat, sollte sich überlegen, ob er “riestert” oder lieber versucht anders etwas zurückzulegen, z.B. lieber in Eigentum investiert, anstatt eine Wohnung zu mieten.. Denn wenn die Rente später vom Staat aufgestockt werden muss, wird der ersparte Riesterbetrag weitgehend angerechnet, man hat also wenig davon.

KSK | DIE KÜNSTLERSOZIALKASSE

Der Name KÜNSTLERSOZIALKASSE ist ein wenig irreführend und klingt irgendwie, als sei es eine Armenersatzkasse für brotlose Künstler, denen man eine Minimalversorgung durch das Arztmobil anbietet.

Dies hat damit aber nicht zu tun. Für Freiberufler aus kreativen Berufen wie Designer, Bildende Künstler, Schauspieler, Musiker und eben auch Journalisten und Publizisten bietet die Künstlersozialkasse, kurz KSK, die Möglichkeit, sich fast so zu versichern, als sei man angestellt (→ Website der Künstlersozialkasse). Das heißt, man zahlt auch Rentenversicherungsbeiträge, allerdings bei der Grundversorgung keine Arbeitslosenversicherung.

KSK versichtert | Künstlersozialkasse & Blogger

Krankenversichert wird oder bleibt man bei einer normalen gesetzlichen Krankenkasse wie AOK, Techniker o.ä., die man frei wählen und auch wie jeder andere Versicherte wechseln kann.

Die drei großen Vorteile der KSK Versicherung sind:

  • Versicherungssatz nach Einkommen(sschätzung), denn es wird nicht von einem relativ hohen Mindesteinkommen ausgegangen, also bleiben Beiträge auch für Kleinstverdiener tragbar.
  • Die KSK zahlt den Arbeitgeber-Beitrag, d.h. man bekommt rund 50% dazu.
  • Man ist auch rentenversichert, was gerade für die Anzahl der Rentenjahre später wichtig ist.

Die KSK wird staatlich und aus Abgaben finanziert, die Unternehmen zahlen müssen, die Aufträge an KSK-Versicherte erteilen, bzw. diese beschäftigen.

WIE KOMME ICH IN DIE KSK & WORAUF MUSS ICH ACHTEN?

Jeder, der einen in der KSK gelisteten Beruf in selbständiger Tätigkeit ausübt, kann sich um Aufnahme in die KSK bemühen. Dazu am besten den Antrag online downloaden und ausfüllen.

WAS BRAUCHE ICH UM IN DIE KSK ZU KOMMEN?

Zunächst einmal muss man die für sich passende Berufsgruppe finden, unter der man dann in der KSK geführt wird. Ist dein Blog eher journalistisch, liegt der Fokus auf Text oder Bild, geht es um wissenschaftliche Themen?

→ HIER findet sich eine Liste der Berufe, die durch die KSK abgedeckt werden. Als Blogger wird es eine Gruppe aus der Sparte “Wort” sein.

Im Zweifelsfall bei der KSK anrufen (Geduld für die Hotline mitbringen) und sich beraten lassen, was wohl die passende “Nummer”, d.h. Sparte der Tätigkeit ist.

Neben dem ausgefüllten Antrag musst du Belege deiner Tätigkeit beilegen. Dies ist gerade am Anfang häufig noch schwer und gerade im Bloggerbusiness gibt es auch nicht häufig formelle Verträge.

BELEGE BEI DER KSK EINREICHEN

Vieles läuft über E-Mails und  Absprachen. Du kannst entsprechende E-Mails von ersten Kooperation, die eine kreative Tätigkeit umfassen (also frei geschriebene Blogposts), dazu auch Belege der geflossenen Honorare wie Kontoauszüge oder Abrechnungen über Agenturen wie z.B. Blogfoster. Oft ist das ja am Anfang noch nicht viel. Empfehlenswert ist es auch erstellte Konzepte und Angebote beizulegen, selbst, wenn man dafür (noch) keinen Zuschlag erhalten hat. Zudem sollte eine formlose Tätigkeitsbeschreibung erfolgen, die erkenntlich macht

Achtung: Die Antragstellung ist noch nicht die Aufnahme. Man MUSS sich bis über den Antrag entscheiden ist zwischenzeitlich selbst versichern. Dies kann eben, wie oben beschrieben, zunächst einiges teurer sein, da von einem Mindesteinkommen ausgegangen wird. Nach Aufnahme zählt jedoch das DATUM DER ANTRAGSTELLUNG und man bekommt zu viel gezahlte Kranken- & Pflegeversicherungsbeiträge zurückerstattet.

Bekommt man einen Ablehnungsbescheid und ist der Meinung, dass man ein Anrecht hat über die KSK versichert zu sein, stets Widerspruch einlegen!

BEFREIUNG VON VERSICHERUNGEN IN DER KSK

Solange man nur im bei KSK genannten Berufsbereich selbständig tätig ist, ist alles ganz einfach. Die KSK zieht die Beiträge ein und verteilt sie an Krankenkasse, Rentenkasse etc. Man gibt immer am Jahresende online oder über den zugesandten Vordruck ein geschätztes neues Jahreseinkommen ab.

Hier sollte man sehr sorgfältig überlegen. Natürlich meint manch ganz schlauer, man gibt einfach eine Minimalsumme an, dann zahlt man auch wenig Beiträge, aber dies ist natürlich nicht zulässig. Unter Umständen stehen eines Tages die Buchprüfer vor der Tür und das kann teuer werden.

Nicht nur, dass es ungesetzlich ist, absichtlich eine falsche Schätzung abzugeben, es hat auch für einen selbst Nachteile:

  • Je kleiner dein Beitrag, desto geringer später die gesetzliche Rente.
  • Schnell übersteigt ein möglicher Nebenverdienst dein künstlerischen Einkommen, was zum Ausschluss aus der KSK führen kann.

Man kann auch im laufenden Jahr seien Schätzung nach oben oder unten anpassen, wobei diese Anpassung NIE rückwirkend gilt.

Bloggen hauptberuflich KSK & Sozialversicherung

NEBENEINKÜNFTE BEI KSK-VERSICHERUNG

Schön, wenn man alleine von seinem Blog leben kann. Ich kann es derzeit nicht, obwohl ich wirklich quasi rund um die Uhr arbeite. Ich arbeite auch noch freiberuflich als Texter & Social Media Berater, früher war ich vornehmlich im grafischen und Website-Bereich unterwegs. Mittlerweile hat sich mein Schwerpunkt jedoch auf Text & Social Media verlagert.

Dazu hatte ich Jahrzehnte noch am Wochenende einen Minijob in der Nachrichenredaktion eines Fernsehsenders auf Honorarbasis ausgeübt. Ein Minijob ist steuerlich wie versicherungstechnisch immer am unproblematischsten, denn man muss sich um nichts weiter kümmern, außer darum, dass man nicht mehr als 450€ im Monat verdient (durchschnittlich, mehr Infos → HIER bei finanztip.de).

VERSICHERT DURCH NEBENJOB STATT KSK?

Nun kann es aber sein, dann man eine versicherungspflichtigen Job ausübt, der bereits zur Kranken- und Rentenversicherung führt oder auch in einem anderen Bereich noch zusätzlich selbständig ist, z.B. gewerblich. Hier wird nach Einzelfall entschieden, in wieweit die Versicherungen durch die KSK oder anderweitig abgeglichen werden. Dazu kann man auch immer die Hotline der KSK anrufen, seien Krankenkasse befragen etc. Weitere Infos über die Ausnahmen findet ihr auch → HIER geht es zur Website.

Bei mir ist es so, dass ich dann 2017 in eine neue Postion beim Sender gewechselt bin. Hier habe ich mehr als auf Minijob-Basis verdient, wenn auch mein Hauptberuf noch immer meine selbständige Tätigkeit als Blogger und Texter ist. In einem solchen Fall bleibt man in der KSK, diese prüft aber monatlich anhand der Honorarabrechnungen für meinen Redaktionsjob, ob ich über den Sender oder die KSK krankenversichert bin. Würde ich beim Sender texten, wäre es gar kein Problem, dann wäre es einfach ein weiterer Teil meiner angemeldeten Tätigkeit ) als Journalist/Redakteur bei der Künstlersozialkasse und ich würde nur meine Einkommensschätzung entsprechend anpassen.

Klingt kompliziert und ist es auch. Für mich war diese Umstellung selbst mit viel Forschungsarbeit, Telefonaten und Papierkram verbunden. Um aber überhaupt in der KSK bleiben zu können, muss der Hauptberuf weiter der künstlerisch selbständige sein.

WEITERE VERSICHERUNGEN ALS SELBSTÄNDIGER

Je nach finanziellen Möglichkeiten, Familiensituation und Vermögensstand sollte man noch überlegen, zusätzlich für das Alter vorzusorgen.  Sinnvoll ist es, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen und bei der Krankenkasse gegen Aufpreis ein Krankentagegeld mit abzudecken. Als Selbständiger heißt nicht zu arbeiten, egal ob aus Krankheit oder weil man mal Urlaub machen will, auch stets, nicht bezahlt zu werden. Da kann es schnell passieren, dass man sich das Kranksein buchstäblich nicht mehr leisten kann.

Auch eine Lebensversicherung, die Partner oder Kinder begünstigt kann Sinn machen. Ich war viele Zeiten meiner Berufsjahre selbständig und konnte nie viel zusätzlich in Rente oder weitere Versicherungen einzahlen, das war mir als Alleinerziehende mit knappen Einnahmen einfach nicht möglich. Aber ich habe als Altersvorsorge immer in eine Eigentumswohnung investiert.

FREIBERUFLER SEIN ADÉ?

Dir ist das alles viel zu anstrengend oder du kannst von deiner Selbständigkeit nicht überleben und suchst dir wieder eine feste Stelle? Dann ist es überhaupt kein Problem,  deine Mitgliedschaft bei der der KSK zu kündigen. Auch ich war zwischenzeitlich in festen Stellen und bin dann wieder bei der Künstlersozialkasse eingestiegen.

Auch wäre möglich, dass du feststellst, dass du zwar selbständig bleiben willst, aber eher gewerblich. Vielleicht, in dem du eben deine gehäkelten Mützen verkaufst, eine kleinen Laden aufmachst oder anfängst Hochzeitstorten zu backen. Wenn dein Hauptfokus auf dem gewerblichen Teil liegt, musst du die Künstlersozialkasse verlassen. Wirst du aber auf dem roten Teppich eines Bloggerevents als neue deutsche Nachwuchsschauspielerin entdeckt, kannst du in der KSK bleiben. Du musst nur das Tätigkeitsfeld wechseln (dies natürlich entsprechend belegen) und deine Verdienstprognose anpassen. Schauspieler sind nämlich auch KSK-Mitglieder.

Dies war mein “kleiner” langer Exkurs in die Welt der Versicherungen für selbständige Blogger und andere kreativ Tätige.

Lest auch unbedingt meinen Exkurs: “BLOGGER-ABC F-G: FREIBERUFLER & GEWERBE“, denn hier erfahrt ihr alles darüber, was den Unterschied zwischen einer freiberuflichen und einer gewerblichen Tätigkeit ausmacht.

Ich hoffe, es hat die eine oder andere Sache klarer gemacht und ein bisschen im Dschungel rund um die Selbständigkeit klare Sicht geschaffen.

Ist von euch auch jemand in der KSK versichert oder erwägt, sich endgültig selbständig zu machen?

Ich freue mich auf eure Kommentare und Anmerkungen!

 

Euer stylepeacock

Chris

 

 

MADE in DESIGN

12 comments

  1. Hey Chris, ein echt wertvoller Beitrag, wenn man sich das erste Mal mit KSK usw beschäftigen muss. Ich bin derzeit noch nebenberuflich Selbständig als freie Texterin – möchte mich aber bald hauptberuflich selbständig machen, wenn endlich genug Geld fließt. Bin gespannt, wie es weitergeht.

    LG
    Tamara

  2. Tolle Zusammenfassung. Aber die Formulierung zur KSK (“Die KSK wird staatlich und aus Abgaben finanziert, die Unternehmen zahlen müssen, die Aufträge an KSK-Versicherte erteilen, bzw, diese beschäftigen.”) ist irreführend: Ich muss als Auftraggeber nicht nur Abgaben zahlen, wenn der Auftragnehmer selbst in der KSK ist, sondern sobald die Tätigkeit eine künstlerische im Sinne der KSK ist. Ob der Texter, Grafiker, Fotograf selbst in der KSK versichert ist, interessiert die KSK erstmal nicht. Deshalb immer darauf achten, dass man auch selbst KSK-Gebühr abführt, sobald man jemanden beauftragt.

    1. Liebe Julia, danke für die Richtigstellung, das werde ich umformulieren.

      Viele liebe Grüße
      Chris

  3. In diesem Fall kann sicherlich auch ein Anwalt helfen. Dieser kennt sich ja zum Thema Versicherungsrecht sehr gut aus. http://www.ra-frei.de

  4. Vielen vielen Dank für den schönen Artikel und die vielen hilfreichen Infos. Ich habe eben sehr viel gelernt, dafür bin ich dir echt dankbar! Ich bin Ex-Redakteurin mit zahlreichen Fortbildungen im journalistischen Bereich und überlege mir, mich mit meinem Blog Happy Dings selbstständig zu machen. Alles sehr kompliziert . Aber du hast viel Licht ins Dunkel gebracht. Ganz liebe Grüße und nochmal lieben Dank. Christina

    1. Liebe Christina, das freut mich, dass dir das weiter helfen konnte. Ja, das ist ein echt kompliziertes Thema und viele wissen gar nicht, dass die KSK für Texter und Redakteure etc. auch zuständig ist.

      Viele liebe Grüße

      Chris

  5. Interessanter Artikel und genau zur rechten Zeit. Ich habe gerade meine Meldung bei der KSK eingereicht und werde mich nun mit dem Antragsformular befassen. Hast du da einen Tipp, welche der W-Nummern für einen Blogger passend wären?

    Einnahmen generiere ich ja in erster Linie über Adsense oder das Amazon-Partnerprogramm in meinen Blogs. Hin und wieder kommt auch mal ein Sponsored Post dazu…

    Wäre toll, wenn du da etwas Licht ins Dunkel bringen könntest. 😉

    1. Hallo Dirk,
      im Allgemeinen ist die W04, also Journalist, Redakteur empfehlenswert. In deinem Fall könnte aber auch die W07 wissenschaftlicher Autor Sinn machen, das kommt dann eher darauf an, ob du ein Quereinsteeiger bist oder eine Ausbildung/Studium in dem Bereich hast, die dein Blog/Website abdeckt, also in Richtung Informatik. Im Zweifelsfall ruhig bei der KSK anrufen, die sind eigentlich sehr hilfsbereit, nur die Wartezeiten sind manchmal nervig. Du kannst einige deiner Fachartikel der Bewerbung beilegen und eben auch ein paar Abmachungen zu Sponsored Posts machen sich nicht schlecht. Zum Glück gibt es ja mittlerweile dieses Urteil, dass man durch affiliate und Werbeeinnahmen seine eigenen Fachtexte und sein Bloggerdasein finanzieren darf und dennoch Freier ist. Schwierig würde es nur, wenn du einen richtigen Handel mit Hard- & Software hättest (also eigenständig, nicht affiliate), aber das sehe ich bei dir nicht. Dann müsstest du es zumindest teilgewerblich abgrenzen. Ich drück mal Daumen, dass dein Antrag schnell bearbeitet wird, aber man braucht Geduld… Es dauert Monate, gilt dann aber rückwirkend.

      Wenn du noch Fragen oder Probleme hast, schreibe einfach.

      Viele Grüße
      Chris

      1. Danke für die ausführliche Antwort. Bei mir wird das erst ab 01.02. aktuell aber ich will den Antrag schon mal stellen. Sollte ich auch bei der Krankenkasse Bescheid geben, dass ich vom normalen Arbeitgeber zur Selbständigkeit mit Absicherung über die KSK wechseln möchte? Kann ja vielleicht nicht schaden.

        Und du hast recht, ich habe keinen Shop, verkaufe also nichts. Monetarisierung erfolgt nur über die Werbeflächen und Affiliate-Links.

        1. Ja, da kannst du ruhig schon mal anrufen. Bis der KSK Antrag durch ist, musst aber erst mal die regulären Sätze für Selbständige bezahlen, falls du nicht ALG beziehst o.ä. (dann wärst du ja erst einmal versichert). Falls dein Einkommen sehr gering ist, kannst du vielleicht den verminderten Satz zahlen, daher würde ich die Krankenkasse ruhig schon mal anrufen. Später dann regelt das alles die KSK für dich wie ein Arbeitgeber. Nur wenn du Nebenverdienste aus einem Nebenjob wie ich nun hast, der über Minijobgrenze liegt, musst du dann auch noch deine Abrechnungen bei der kSK dafür einreichen und die klärt dann mit der Krankenkasse, wer für die Beiträge zuständig ist – KSK oder Arbeitgeber.

  6. Toller Beitrag ich finde es immer so mutig wenn Leute sich selbständig machen ich würde mich das glaube ich kaum trauen

  7. Hallo Chris,
    vielen Dank für den ausführlichen Exkurs! Ich habe mich nebenberuflich selbstständig gemacht und werde mich zum Jahreswechsel hauptberuflich selbstständig machen. Über die KSK hatte ich schon nachgedacht, aber wie das alles funktioniert, war mir noch schleierhaft. Jetzt weiß ich zumindest, dass ich am 2. Januar erstmal zur AOK tapere, mich dort versichere und dann einen Antrag an die KSK stelle 🙂
    Auf den Steuerteil bin ich auch schon sehr gespannt – denn auch hier weiß ich noch nicht so ganz genau, was wann auf mich zukommt. Ich habe zwar schon Steuernummern, bin aber irgendwie nicht sicher, ob und wann ich weitere Infos ans Finanzamt weitergeben müsste und hoffe, dass hier “learning by doing” irgendwie funktioniert …
    Liebe Grüße
    Caro

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